Evangelische Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld
Aktuell



Gottesdienst
„Ein kleines Lied, wie geht’s nur an, dass man so lieb es haben kann?!” Wie fehlt uns allen das gemeinsame Singen! Seit 1 Jahr dürfen wir in den Gottesdiensten nicht mehr singen, der Chor darf nicht üben – und dabei sind es doch oft die Lieder, die so viel mit uns machen! Musik ist eine Sprache, die jeder und jede versteht bzw. erfühlt. Sie spricht nicht zuerst den Verstand, sondern tiefere Schichten in uns an. Da werden die Liebeslieder in uns wach, die uns an die ersten Stunden mit dem Partner, der Partnerin erinnern. Die Abendlieder, die Mama oder Papa, Oma oder Opa am Bett gesungen haben, als wir klein waren. Die BewohnerInnen im Altenheim singen die alten Volkslieder – Kein schöner Land, Im schönsten Wiesengrund, Am Brunnen vor dem Tor – und wenn sie auch alles vergessen haben, die Lieder sind noch tief in ihnen drin. Wir haben zwischendurch kleine Gottesdienste feiern k├Ânnen, haben Gottesdienste online gestellt oder online gefeiert – entweder hat der Kirchenmusiker gesungen oder die Organistin die Lieder gespielt, aber singen durften wir nicht, und die Sehnsucht wächst, wieder im großen Chor gemeinsam singen zu dürfen. Viele unserer Lieder sind in schweren Zeiten entstanden. Es sind Texte voller Zuversicht und gegen eine erschreckende Wirklichkeit: Philipp Nicolai schreibt in Unna das Lied „Wie schön leuchtet der Morgenstern”, und die Pest wütet in der Stadt. Jochen Klepper weiß, dass seine gesamte Familie in Todesgefahr ist, weil seine Frau Jüdin war – und er schreibt „Die Nacht ist vorgedrungen”.



Paul Gerhardt muss 4 seiner 5 Kinder beerdigen, seine Frau stirbt, er verliert seine Pfarrstelle – und schreibt Lieder wie „Befiehl du deine Wege”. Dietrich Bonhoeffer schreibt im Gefängnis 1944/45 „Von guten Mächten wunderbar geborgen”. „Einmal gesungen ist wie zweimal gebetet”, sagt Martin Luther. Ja, ich wünsche uns allen, dass wir auch in diesen Pandemiezeiten nicht aufhören zu singen – allein, in der Familie, unter der Dusche oder beim Autofahren. Dass wir es nicht verlernen nach dieser langen Coronazeit, sondern immer wieder neu wie der Prophet Jesaja sagen können (übrigens auch in schwerer Zeit, im Exil): „Ja, Gott ist meine Rettung. Ich bin voll Vertrauen und fürchte mich nicht. Denn Gott ist meine Zuflucht, von ihm singe ich in meinem Lied.” (Jes. 12, 2) Ob mit alten oder neuen Liedern, Kirchenchoräle oder Anbetungslieder, ob in alten Notenblättern gefunden oder auf YouTube, auf alter Schallplatte oder gestreamt, lasst uns auch mit den Liedern angehen gegen die Trostlosigkeit und Traurigkeit der Zeit. Singen Sie mit: „Und bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand!”
Ihre Pastorin
    Doris Korte
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