Evangelische Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld

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Gott spricht: Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch.
Hesekiel 11,19

Liebe Freunde und Weggefährten in Heedfeld

30Jahre „Wende”! Das ist in diesen Tagen in aller Munde. Natürlich war der Herbst 1989 eine Zeit, die wir nicht vergessen können. Denn nie wieder werden wir so viele offene Türen für unser Handeln vorfinden, nie wieder wird es so viel politischen Spielraum in einer Gesellschaft geben, in dem weder Macht noch Gewalt regiert, sondern der Wille zur friedlichen Umgestaltung. Nie wieder werden die Tage so prall mit Hoffnung gefüllt sein, und Visionen die Nächte erhellen. Nein, diese Zeit, in der eine Diktatur aus den Angeln gehoben wurde und es keine Opfer gab, in der Demonstrationen friedlich verliefen und Massen auf den Straßen und Plätzen gutwillig blieben, hat sich nicht nur tief in unsere Erinnerung eingegraben, sondern wird wie ein Schatz in uns bewahrt. Als der Panzer auf dem HeinrichHeine-Platz mit Kerzen „wegdemonstriert” wurde, da haben wir gesehen, dass prophetische Visionen wie „Schwerter zu Pflugscharen” zum Greifen nahe rücken können. Freilich, die Wirklichkeit schlimmer

Kriege und des Terrors hat uns schnell wieder eingeholt. Wer nach der Wende glaubte, die Insel der Seligen erreicht zu haben, mag enttäuscht sein. Denn unsere Welt wird so unvollkommen bleiben wie sie immer war.

Doch in dieser Zeit haben wir gelernt, an der Hoffnung festzuhalten, dass Friedensstifter im Sinne Jesu etwas verä;ndern können und es nicht umsonst ist, da mitzuwirken. Wir haben erlebt, dass Unerschütterliches wanken kann und sich der Mut gegen übermächtiges Unrecht lohnt. Seit dem Mauerfall hat sich in Europa und der Welt viel verändert. Politische und wirtschaftliche Systeme sind zusammengebrochen oder haben sich grundlegend verändert, Herrschaftsverhältnisse verschoben. Wird aber nicht das gleiche Spiel der Macht mit anderen Figuren und unter anderem Vorzeichen weitergespielt? „Wende” bezeichnet den Vorgang ziemlich genau: Zurück! — zwar nicht zu alten Verhältnissen, aber in die alte Spur des Verhaltens. Eine wirkliche Erneuerung, so sagt es jedenfalls der Prophet Hesekiel, ändert nicht nur die Verhältnisse. Sie wirkt von außen, ganz außen, nämlich von Gott her und beginnt innen: „Ich schenke ihnen ein anderes Herz und neuen Geist.” Die steinernen Herzen müssen weg und lebendige Herzen werden. Wir sind und bleiben dankbar für die „friedliche Revolution”. Nötig ist weiter Gottes Revolution der Herzen, der wir uns immer wieder neu stellen müssen.

In Verbundenheit und Freundschaft viele Grüße aus der Partnergemeinde Wittenberge!

Ihr/Eurer Pfarrer Reinhard Worch
Pfarrer Worch hat die Andacht vor 10 Jahren („20 Jahre Wende”) geschrieben. wir denken, dass wir uns 30 Jahre danach unbedingt erinnern sollten!