Evangelische Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld

  Die
  Kirchengemeinde
  und ihr(e)...




Liebe Gemeinde,
Was ist es, was einen Christen auszeichnet? Gibt es etwas, was uns anders macht als andere? In einem kleinen Theaterstück wird völlig überzogen von Christen erzählt – da hat der Autor alle Übertreibungsschubladen gezogen:
  • Christen haben keine Angst
  • Christen freuen sich auf das Sterben und auf das Leben nach dem Tod
  • Christen sind bewahrt
  • Christen vergeben dem anderen Menschen, auch wenn der ihn noch so quält
...und dann fällt im Stück der überzeugteste Christ als erstes in Ohnmacht, weil der Räuber beim Überfall echt war...

Dazwischen immer neu einekritische Stimme, die sagt: Das glaubt uns doch kein Mensch! Und – ganz ehrlich: Das glaubt uns doch auch kein Mensch!
Da haben wir doch alle schon Angst gehabt – Angst vor dem nächsten Tag, Angst vor dem Arztbesuch und der Diagnose, Angst um die Kinder und um den Partner oder die Partnerin, und Angst auch vor dem Sterben! Jesus hat das ganz realistisch gesehen, als er gesagt hat: In der Welt habt ihr Angst – aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden!

Das ist es, was wir mehr haben: Dieses ABER!

Ich habe Angst vor ganz vielem, ja, aber ganz tief innen möchte ich daran festhalten, dass Jesus über die Ursachen dieser Welt und dieser Ängste gesiegt hat, dass ich an seiner Hand auch in meiner Angst noch gehalten bin!




Ich glaube auch nicht, dass sich Christen auf den Tod freuen – nein, da wird genauso schwer unter Christen gestorben wie unter Nichtchristen! Und wir haben Angst um die, die dableiben, wir fürchten uns vor der Einsamkeit eines Lebens ohne den Menschen, der da stirbt – aber da ist auch diese Zuversicht und dieser Trost, dass unser Leben in Gottes Hand ist und auch mit dem Tod nicht aus dieser Hand fällt. Christen sind bewahrt: So einfach stimmt das ja nicht! Auch Christen brechen sich ein Bein oder einen Arm oder manchmal auch den Hals – auch Christen verunglücken und erleben Katastrophen, auch Christen stecken sich mit dem Covid 19– Virus an – und doch glaube ich auch hier an dieses Aber: Aber auch in der Katastrophe ist dieser Jesus immer noch da! Wenn mich einer in der tiefsten Not verstehen kann, dann doch der, der die tiefste Not am eigenen Körper erlitten hat! Da wird gestritten unter Christen und da tun sich Christen weh wie alle anderen Menschen in dieser Welt auch – aber da entdecke ich doch auch, dass Jesus mir immer wieder und immer noch einmal vergibt – so und vielleicht nur so kann ich dieses Aber dann entdecken: Aber in der Vergebung d–rfen wir immer wieder einen neuen Anfang suchen! Ich bin unausstehlich – aber Gott liebt mich trotzdem und gibt mir eine Chance. Ich bin beleidigt und verletzt – aber Gott zeigt uns einen neuen Weg. Ich vergehe vor Angst – aber Gott hält mich trotzdem fest. Das ABER ist es, was wir mehr haben.

Amen. Ihre Pastorin
    Doris Korte