Evangelische Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld

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Ich glaube,
hilf meinem Unglauben!
Markus 9, 24

Liebe Gemeinde,

diese verzweifelte Bitte eines verzweifelten Vaters steht als Jahreslosung über dem kommenden Jahr 2020. Da bringt ein Vater in größter Not seinen Epilepsiekranken Sohn zu Jesus, nachdem er alles ausprobiert hat — seit Jahren ist er zu jedem Wunderheiler gelaufen, hat alle Ärzte konsultiert, die er bezahlen konnte, alle Mittelchen getestet, die man ihm gegeben hat, und immer wieder hat sich das Kind in Krämpfen auf dem Boden gewälzt und musste vor Eigenverletzungen geschützt werden.

(Was ist mit der Mutter? Ist sie schon gestorben? Oder hat sie zu Hause noch mehr Kinder? Oder ist sie „verlorengegangen”m jahrelangen Kampf gegen die Krankheit, weil die Ehe das einfach nicht ausgehalten hat?)

„Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!”

So kommt er mit dem Kind zu Jesus – und erhält die Antwort: „Du sagst: Wenn du kannst— alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!” (An dieser Stelle hätte ich mich womöglich verabschiedet und gedacht: Wieder nur fromme Reden...) – Da schreit der Vater es aus sich heraus:

Ich will dir ja vertrauen! Aber hilf mir doch, dass ich es kann! Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Seit 2000 Jahren leben wir als Christen in genau diesem Dilemma: Ich will ja glauben, aber ...
Dieser kleine Glaube wird immer wieder durcheinandergebracht! Da wird nicht jedes Kind geheilt, sondern manches Kind leidet oder stirbt an schrecklichen Krankheiten (die Kindergräber auf dem Friedhof sprechen eine Sprache für sich!).

Da fügen Erwachsene Kindern abgrundtiefes Leid zu. Da entscheiden Eltern aufgrund eines Bluttropfens, dass das werdende Kind nicht lebenswert ist, weil es Down–Syndrom hat, die nächsten entscheiden sich gegen ein Kind, weil es nicht in die Lebensplanung passt — und andere kämpfen jahrelang für ein Kind.
Immer und in jedem Krieg dieser Welt sind Kinder die Opfer, und wenn der Krieg vorbei ist, sind die Eltern weg oder unter ihren Füßen explodiert die liegengebliebene Bombe, die doch so harmlos wie ein Spielzeug aussieht.

Ich will dir ja vertrauen! Aber hilf mir doch, dass ich es kann!

Das alles klingt so gar nicht nach Weihnachten, liebe Gemeinde – und doch sind wir mittendrin in der Weihnachtsgeschichte! Gott wird Kind– verletzlich wie ein Kind, hilflos wie ein Kind, angewiesen auf die Erwachsenen, als Baby schon auf der Flucht wie Millionen Kinder heute. Keiner kann Gott jetzt noch vorwerfen, vom Leiden nichts zu verstehen.

Ich will dir ja vertrauen! Aber hilf mir doch, dass ich es kann!

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese verzweifelte Bitte zu Ihrer eigenen machen — morgens nach dem Frühstück: Ich will...
Auf dem Weg zur Arbeit: Ich will...
Am Bett des kranken Kindes: Ich will...
Wenn der Mann (oder die Frau) nicht mehr nach Hause kommen will: Ich will...
Am Grab des geliebten Menschen: Ich will...
Wenn die Glocken läuten zum Gottesdienst: Ich will...
Im vollen Weihnachtsgottesdienst oder wo auch immer:

Ich will dir ja vertrauen! Aber hilf mir doch, dass ich es kann! Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin
Dorsi Korte